Küchenarbeitsplatten

Waren Küchen früher reine Funktionsanlagen, sind heutige Küchen teilweise auch Ausdruck des persönlichen Lebensstils.

Werkstoffkunde:

Schichtstoff:
Laminat ist an der Oberfläche relativ dicht, schlag- und abriebresistent. Während der Begriff „Laminat“ häufig synonym für Bodenbeläge verwendet wird, werden Laminate in Küchen mit verschieden gestalteten Oberflächen verwendet und halten kurzfristig hohen Temperaturen (z. B. durch Zigarettenglut und heiße Topfböden) stand. Entsprechende Oberflächen sind leicht zu pflegen und reinigen, hitze- und lichtbeständig sowie geruchsneutral und unempfindlich gegen Alkohol bzw. organische Lösemittel sowie die Einwirkung von Wasserdampf und Wasser.
Während sie zumeist deutlich günstiger als Naturstein und Edelstahl sind, ist einer ihrer Nachteile die im Vergleich geringere Kratz- und Hitzebeständigkeit. Heißes Kochgeschirr kann sich in die Oberfläche einprägen, daher sind stets hitzebeständigen Untersetzer vor dem Absetzen von erhitzten Töpfen und Pfannen zu verwenden. Außerdem muss das Trägermaterial Holz vor dem Eindringen von Wasser an Stößen und Spülen geschützt werden. Wenn dies nicht fachgerecht geschieht, quillt das Holz auf und zerstört die Platte.
Die Kanten sind glatt und fest und können ohne besonderen Anleimer profiliert werden.
Im Handel sind MDF-Platten mit Dicken von 2 mm bis 60 mm mit einer Dichte von 600-1000 kg/m³ erhältlich.

Mineralwerkstoff:
Platten aus Mineralwerkstoff sind auf eine Holzträgerplatte aufgeklebt. Sie sind beständig gegen die meisten Chemikalien. Schlag, wasser-, schmutz- und feuchtigkeitsresistent, hygienisch und porenlos.
Das Material  ist ungiftig und verfügt über keinerlei Stoffe, welche die Oberfläche verändern könnten – auch nicht nach längerem Gebrauch.
Vorteile sind die glatten Oberflächen und die nahtlosen Verbindungsstellen, die das Eindringen von Wasser verhindern und optimale Hygiene gewährleisten . Aus diesem Grund werden Mineralwerkstoffelemente auch gern in Badezimmern verbaut.
Mineralwerkstoff  kann durch das Hinterfräsen der Platten hinterleuchtet werden und eröffnet Designern und Architekten neue Möglichkeiten wie Lichteffekte, Beschriftungen und Displays und die Herstellung von Designobjekten.
Mineralwerkstoff gewährleistet sowohl durch die gleiche Materialzusammensetzung auch bei geringen Materialstärken und durch nahtlose Verbindungen und somit die Unsichtbarkeit von Übergängen, den Eindruck eines Ganzen auch bei großformatigen Objekten.
Für die Reinigung sind nur Wasser, etwas Reinigungsmittel und ein Tuch nötig. Hartnäckige Flecken können mit marktüblichen Mitteln beseitigt werden. Kratzer können mit feinem Sandpapier oder ähnlichem entfernt werden. Stärker beschädigte Teile können ersetzt werden, ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen.
Mineralwerkstoff  kann mit gewöhnlichen Tischlermaschinen und Werkzeugen bearbeitet werden und kann durch Wärme in praktisch jede Form gebogen werden und behält diese nach Abkühlung ohne Verlust der Leistungsfähigkeit des Materials.

Holz:
Massivholz (vor allem aus harten Hölzern, wie Buche) findet man als Arbeitsplatten in der Privat-Küche, zumeist als verleimte Platten. Als Vorteil werden die Haptik und die „Wärme“ des Materials empfunden. Diese Natur-Materialien können technisch gesehen wie Laminat- bwz. MDF-Platten eingeordnet werden. Bei Massivholz ist Vorsorge vor Pilzbefall in der Küche zu treffen. Außerdem muss das Holz durch Ölen vor stehendem Wasser geschützt werden. Da das Öl in die Poren des Holzes eindringt können auch andere Flüssigkeiten wie Wein oder Rote Beetesaft nicht eindringen.

Naturstein
Natursteine finden immer häufiger als Küchenarbeitsplatten in polierter Form Verwendung. Passend zu den Arbeitsplatten werden sie auch als Boden- und Wandbeläge mit polierten Steinoberflächen in Küchen verbaut. Natursteine halten nicht nur kurzfristig hohen Temperaturen (z. B. durch Zigarettenglut und heiße Topfböden) stand. Die Steinoberflächen sind leicht zu pflegen und zu reinigen, hitze- und lichtbeständig sowie geruchsneutral und unempfindlich gegen Reinigungsmittel, Alkohol, Lösemittel sowie die Einwirkung von Wasserdampf und Wasser. Die Natursteine, die für die Küchenarbeitsplatten verwendet werden, sind vor allem Granite, Gabbros, Gneise und Quarzite.
Granite, die ein körniges Gefüge haben, gibt es in nahezu allen Farben (außer Blau: das ist extrem selten und sehr preisintensiv und Schwarz). Sie zählen zu den dichtesten Steinen mit geringer Wasseraufnahme.
Werden dunkle Oberflächen bevorzugt, können die dunklen Gabbros, sogenannte „schwarze Granite“ gewählt werden, die granitähnliche Eigenschaften haben.
Gneise bieten buntere, hellere Farben.Quarzite zählen zu den härtesten Gesteinsfamilien überhaupt. Sie weisen eine hohe Kratzfestigkeit und nehmen nahezu kein Wasser auf. Sie sind in unterschiedlichsten Farben auswählbar.
Natursteinplatten sind nur in begrenzten Maßen erhältlich (max. 4m?). Das bedeutet, dass Stöße/Fugen entstehen. Ein weiterer Nachteil ist, dass Naturstein keine Spannungen aufnehmen kann. Da die Platten vorgefertigt werden, sind die Stege beim Transport Schwachstellen. Zur Vermeidung von Soll-Bruchstellen werden Stegverstärkungen eingefräst (Metallstäbe).
Natursteinwird wird auch 2cm dick geliefert, um die „Dünne“ zu kaschieren werden Kanten vorgeklebt.

Quarzwerkstoff
Eine Besonderheit bilden Arbeitsplatten aus Quarzwerkstoff, einem Kunststein, die durch Harz gebunden sind. Sie können mit unterschiedlichen Farben und mit schillernden und glitzernden Bestandteilen an der Oberfläche hergestellt werden. Das Material, aus dem sie bestehen, wird Quarzwerkstoff genannt. Die glitzernden Effekte von Mineralen, die in bestimmten Natursteinen (z. B. Spektrolit, Black Galaxy) vorkommen, werden nachgeahmt. Neuerdings werden antibakteriell ausgerüstete Kunststein-Küchenarbeitsplatten aus Microban® angeboten. Das ist ein Stoff, der Triclosan enthält, dessen Verwendung beispielsweise in Norwegen als gesundheitsschädlich im Entwurf einer norwegischen PoHS-Richtlinie eingestuft worden ist.
Nachteil: Das Material „lebt“ nicht, die Struktur ist regelmäßig. Bei untergesetzten Becken (verklebt) bleiben die Fugen sichtbar.

Edelstahl
Rostfreier Stahl in einer Küche wird unter anderem unter den Handels- und Markennamen Cromargan oder Nirosta vertrieben. Im privaten Bereich wird Edelstahl als Küchenarbeitplatte relativ selten eingesetzt. Das Material ist lebensmittelbeständig, kratz- und hitzebeständig und wird mit unterschiedlichen Oberflächen geliefert. Im professionellen Küchengewerbe zählen Edelstahloberflächen zur Standardausrüstung. Die Flächen werden vorgefertigt, die Fugen bleiben (wenn auch oft nur als Haarfuge) sichtbar.

Beton
Wird individuell gegossen und oft eingefärbt – Holz als Unterkonstruktion
Vorteil: Becken und Tropfflächen aus einem Stück
Nachteil: Oberfläche wird gewachst, dieses muss oft erneuert werden. Ränder die durch das Gießen entstehen, können nicht beseitigt werden – muss man mögen. Im Gebrauch relativ schnell unansehnlich.
Die Stabilität entsteht nicht durch Stahl, sondern durch Glasfaser die eingegossen wird.

Glas
Vorteil: dünn, transparent, kratzbeständig, vielseitig (satiniert, Farbvielfalt) ESG = Einscheibensicherheitsglas
Nachteil: Glasplatten werden nicht so dick produziert. Spülen und Kochfelder ragen in den Schrankraum, wenn es keine Trägerplatte gibt. Wenn es sie gibt muss die Optik kaschiert werden.

Anwendung:

Reinigung
Grundsätzlich sind die oben genannten Materialien nur mit geeigneten Reinigungsmitteln zu behandeln.
Bei Naturstein kommen neben Reinigungsmitteln auch Pflegemittel und Mikrofasertücher zum Einsatz. Beschichtete Platten können entsprechend gereinigt werden. Edelstahl ist relativ unempfindlich und kann mit speziellen Reinigungsmitteln behandelt werden. Massivholz, aber auch die Trägerplatten aus Holz sind problematischer und können unter Einfluss von Wasser aufquellen.

Fleckenbeständigkeit
Bei Arbeitsplatten aus Materialien, bei denen Flüssigkeiten einziehen können, können schnell Flecken zurück bleiben. Das ist bei Holz und Naturstein wie Granit oder Marmor der Fall, wenn sie nicht geölt/ imprägniert werden. Künstliche Materialien wie Mineralwerkstoff oder Quarzstein dagegen sind porenfrei und dadurch unempfindlich gegen Flecken.

Widerstandsfähigkeit
Die Widerstandsfähigkeit ist bei hartem Stein, wie etwa Granit besonders hoch. Das ist aus hygienischen Gesichtspunkten wichtig, weil sich in Kerben und Schnitten, wie sie sich bei Arbeitsplatten aus Holz bilden können, Schmutz, Bakterien und Schimmelsporen sammeln können. Bei Edelstahl stellen sich zwar schnell Kratzer ein - diese sind aber nur oberflächlich und somit hygienisch unbedenklich, weshalb das ansonsten sehr widerstandsfähige Material häufig in Profiküchen zum Einsatz kommt. Platten die aus Holz gefertigt oder mit Kunststoff laminiert sind, sind dagegen sehr anfällig, was Schnitte angeht.

Austausch/Reparatur
Abgeplatzte Kanten und Ecken, wellige Arbeitsflächen und Brandflecken von Töpfen und Pfannen: Sieht die Arbeitsplatte Ihrer Küche so aus, scheint ein Austausch derselben nötig zu sein. Denn hier leidet nicht nur die Optik. In den vielen Kratzern und Schnitten bleibt Schmutz hängen und wird somit zum Hygieneproblem.
Arbeitsplatten aus Massivholz können ganz nach dem Motto „Aus alt mach neu.“ abgeschliffen und neu lackiert werden. Anders verhält es sich bei furnierten Platten. Diese können in der Regel nicht abgeschliffen werden. Ein Austausch bleibt hier nicht erspart. Je nach handwerklichem Geschick kann der Austausch der Arbeitsplatte selbst vorgenommen oder durch einen Küchenspezialisten durchgeführt werden.
Bei Mineralwerkstoffplatten kann die beschädigte Stelle ausgeschnitten und ersetzt werden. Bei kleinen Schäden kann die Platte geschliffen werden – sieht anschl. aus wie neu.
Praktisch: Falls die Arbeitsplatte ausgetauscht wird, statten Sie die neue Arbeitsplatte doch mit einem Schwallrand aus. Bei dieser Art der Arbeitsplatte ist der vordere Rand leicht erhöht. Bei einer Saftrille ist kurz vor dem Rand eine Vertiefung in die Platte eingearbeitet. Auch somit wird das Herunterlaufen von Flüssigkeiten verhindert.

Hitzebeständigkeit
Wer Wert darauf legt, dass die Arbeitsplatte hitzebeständig ist, sollte auf Edelstahl oder auf Stein setzen. Bei diesen Materialien kann man ohne Bedenken einen heißen Topf auf der Arbeitsplatte abstellen. Laminat beschichtete Arbeitsplatten, Mineralwerkstoff und Holz reagieren dagegen auf Hitze und  verformen oder verfärben sich schlimmstenfalls stark, wenn sie  hohen Temperaturen ausgesetzt sind.
Tipp: In die Zone neben Herd oder Backofen können zusätzlich Granitplattenmodule oder Edelstahlstäbe eingelassen werden. Diese Materialien halten auch große Temperaturschwankungen aus. Heiße Töpfe oder Backbleche lassen sich dort problemlos abstellen.


 

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